Lesefutter – unsere Buchempfehlungen • Buchladen Osterstraße - lesen fängt links an • Hamburg • Eimsbüttel

Lesefutter

Krimi

Marcello Fois, Sardische Vendetta

Ü: Esther Hansen, List Tb 2008, 233 Seiten

Mit seinem Roman „Sardische Vendetta“ setzt Marcello Fois, der selbst auf Sardinien geboren ist, dem Banditen Samuele Stocchino ein literarisches Denkmal. Stocchino wuchs Anfang des 20. Jahrhunderts in der sardischen Bergwelt auf, lernte im Ersten Weltkrieg das Töten, kehrte als Kriegsheld zurück und fand nie mehr den Weg zurück in die Dorfgemeinschaft. Dunkel, spannend, literarisch anspruchsvoll und sehr authentisch beschreibt Fois einen sardischen Lebensweg vor dem Hintergrund des aufziehenden Faschismus. Auch für Nicht-Sardinien-Kenner ist dieser Roman ein Genuss, für alle anderen ein Muss.

Krimi

Paulus Hochgatterer, Die Süße des Lebens

DTV 2008, 294 Seiten

Spannung aus Österreich: Die siebenjährige Katharina wird an einem Winterabend Zeugin, wie ihr Großvater auf dem elterlichen Hof ermordet wird. Schwer verstört, weigert sie sich zu sprechen und hält krampfhaft eine Figur vom „Mensch-Ärgere-Dich-Nicht-Spiel“ in ihrer kleinen Faust. Kommissar Kovacs, der mit der Ermittlung in dem grausigen Mordfall betraut ist, sucht Unterstützung bei dem Psychiater Raffael Horn. Dieser versucht Zugang zu dem Mädchen zu finden, ihren völligen inneren Rückzug aufzubrechen. Katharina könnte der Schlüssel für die Aufklärung der Tat sein. Hochgatterer hat außerordentlich spannend die beklemmende Atmosphäre in der österreichischen Provinz dargestellt sowie die alltäglichen Grausamkeiten, denen sowohl der Psychiater als auch der Kommissar in ihrer Arbeit begegnen.

Krimi

Leonardo Padura, Adiós Hemingway

Ü: Hans-Joachim Hartstein, Unionsverlag 2008, 190 Seiten

Auf der Finca des Schriftstellers Ernest Hemingway in der Nähe von Havanna wird 40 Jahre nach dessen Tod eine Leiche gefunden. Die Polizei ist stark beunruhigt, auf keinen Fall soll die Weltöffentlichkeit davon erfahren oder gar der große Schriftsteller in Verdacht geraten. Mario Condé, bekannt als Ermittler aus dem Havanna-Quartett und inzwischen nicht mehr im Polizeidienst, wird zur Hilfe gerufen. Er beginnt mit seinen Recherchen und taucht ein in die letzten Wochen, die Hemingway auf Kuba verbrachte. Er trifft ehemalige Weggefährten und Angestellte und kommt zu einer erstaunlichen Lösung des lange zurückliegenden Verbrechens. Eine Hommage an den großen Schriftsteller und ein schöner und spannender Kuba-Roman.

Krimi

Leonardo Padura, Der Nebel von gestern

Ü: Hans-Joachim Hartstein, Unionsverlag 2008, 363 Seiten

Mario Condé kehrt zurück! Der melancholische Polizist aus Paduras „Havanna-Quartett“ hat längst den Polizeidienst quittiert und sich auf den Handel mit antiquarischen Büchern spezialisiert. In der Bibliothek eines in Ungnade gefallenen Ex-Parteikaders findet Condé einen alten Zeitungsausschnitt über die kubanische Sängerin Violeta del Río aus der Zeit vor der Revolution. Mario Condé vermutet in ihr die Geliebte seines lange verstorbenen Vaters und begibt sich auf die Spur der geheimnisvollen Frau. Leonardo Padura, der in Havanna lebt und schreibt, hat in seinem Roman „Der Nebel von gestern“ mehrere Dinge vereint: einen großartigen Krimi, eine explizit kritische Betrachtung der heutigen kubanischen Gesellschaft und eine Liebeserklärung an das Kulturgut Buch. Was will man mehr?

Krimi

Jean-Francois Vilar, Die Verschwundenen

Ü: Andrea Stephani/Barbara Heber-Schärer, Assoziation A 2008, 464 Seiten

1989. Die Mauer in Berlin fällt. Es ist ein großer historischer Moment. Der Fotograf Victor Blainvilles und sein Schicksalsgenosse Alex Katz kehren nach drei Jahren, in denen sie von Entführern festgehalten wurden, nach Paris zurück. Victor hatte nie den Grund seiner Entführung erfahren. Nur kurze Zeit später wird Alex von einem Lastwagen überfahren. Victor glaubt nicht an einen Unfall und fängt an zu recherchieren. Er stößt auf das 1938 geschriebene Tagebuch von Alex’ Vater Alfred Katz. Die Erinnerungen des Vaters, eines Trotzkisten, führen in die Zeit der künstlerischen Avantgarde, der Surrealisten und Dadaisten. Der russische Geheimdienst ermordete unliebsame Gegner. Fünfzig Jahre später bewegt Victor sich auf den Spuren von Alfred Katz durch Paris.

Bestimmt kein klassischer Krimi ist diese gelungene Verbindung mehrerer Zeitebenen und Erzählstränge spannend und sehr empfehlenswert für alle, die Freude an interessanten Schauplätzen und ungewöhnlichen Lebensgeschichten haben.

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