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Lesefutter

Sachbuch

Roberto Saviano, Gomorrha.

Reise in das Reich der Camorra

Ü: Friederike Hausmann/Rita Seuß, Hanser 2007, 365 Seiten

Ein junger Journalist ermittelt im Herzen des organisierten Verbrechens seiner Heimatstadt. Der 26-jährige Roberto Saviano, geboren in der Camorra-Hochburg Neapel, berichtet aus dem Innenleben der kriminellen Vereinigung und Wirtschaftsgroßmacht namens Camorra. Dabei betritt er Neuland, indem er Namen nennt und Verbindungen der Camorra zu Abfallwirtschaft, Drogen- und Waffenhandel, Baugewerbe bis hin zur Haute Couture offen legt. (Angelina Jolie schleppt Mafia-Klamotten über den roten Teppich.)  Präzise und detailversessen, jedoch auch aufrichtig empört, liest sich Savianos Studie wie ein Aufschrei für mehr Menschlichkeit in menschenverachtenden Zeiten.

Sachbuch

Eugeni Xammar, Das Schlangenei.

Berichte aus dem Deutschland der Inflationsjahre 1922 - 1924

Ü: Kirsten Brandt, Berenberg 2007, 180 Seiten

Wäre Katalonien nicht Gastland der diesjährigen Buchmesse gewesen, ein so abseitiges Buch eines hier so unbekannten Autors hätte wohl nie das Licht des deutschen Buchmarktes erblickt. Im Berenberg Verlag wurden schon immer wahrhaft schöne Bücher hergestellt und stetig weit über den Tellerrand geblickt. Der katalanische Journalist Eugeni Xammar berichtete von 1922 bis 1935 für verschiedene spanische Zeitungen aus Deutschland. Seine Artikel sind sachlich-nüchterne Beobachtungen deutscher Zustände während der Weimarer Republik. Tagesaktuell schrieb Xammar über die Besetzung des Ruhrgebiets, die Jungfernfahrt der „Albert Ballin“ und den Putschversuch Hitlers in München. Xammar traf Hitler unmittelbar vor dem Staatsstreich zu einem Exklusivinterview. Sein Fazit für die Leser des „Veu de Catalunya“ lautete danach: „Ein Dummkopf voller Tatendrang, Vitalität und Energie, ein maßloser nicht zu bremsender Dummkopf.“ Wie wahr!

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