Lesefutter – unsere Buchempfehlungen • Buchladen Osterstraße - lesen fängt links an • Hamburg • Eimsbüttel

Lesefutter

Belletristik

Michela Murgia, Elf Wege über eine Insel

Sardische Notizen

Ü: Julika Brandestini, Wagenbach 2012, 165 Seiten

„Elf Ziele, weil runde Zahlen nur für Dinge taugen, die endgültig verstanden werden können. Und das trifft auf Sardinien nicht zu.“ Die sardische Autorin, vielen bekannt durch ihren Roman „Accabadora“, hat sich ins Hinterland der Traumstrände Sardiniens begeben und präsentiert in ihrem literarischen Reisebuch elf Ziele abseits ausgetretener Pfade. Ob das Literaturfestival im Bergdorf Gavoi, die archaischen Chorgesänge in Bitti, die moderne Kunst in Nuoro, die reichhaltige Küche der Barbagia oder der Kampf um Unabhängigkeit: Murgia erweist sich als profunde Kennerin ihrer Heimatinsel. Das in rotes Leinen eingebundene Buch sollten alle lesen, die nach Sardinien reisen möchten oder schon einmal dort waren.

Belletristik

Barbara Frischmuth, Woher wir kommen

Aufbau 2012, 366 Seiten

Ada hat ihre glückliche Kindheit gemeinsam mit ihrem Zwillingsbruder in Istanbul verbracht. Als ihr Vater eines Tages von einem Wanderausflug ins Araratgebirge nicht mehr zurückkehrt, holt ihre Tante Lilofee die Mutter und das Geschwisterpaar in das heimatliche österreichische Bergdorf. Inzwischen betreibt die Mutter Martha erfolgreich ein Restaurant und Ada ist Künstlerin. Gerade ist sie ins Dorf zurückgekehrt, um sich auf eine größere Ausstellung vorzubereiten. Misstrauisch werden die beiden starken, unabhängigen Frauen von den anderen Dorfbewohnern beäugt. Vor allem, als auch noch Adas alte Jugendliebe Jonas mit seinen drei Kindern auftaucht und das Leben der jungen Frau ordentlich durcheinander gewirbelt wird.
Mit großer Leichtigkeit erzählt Barbara Frischmuth vom Leben der drei Frauen zwischen Istanbul und Wien.

Belletristik

Lloyd Jones, Die Frau im blauen Mantel

Grete Osterwald

Rowohlt 2012, 317 Seiten

Eine junge Frau, irgendwo aus Afrika, arbeitet in einem tunesischen Touristenhotel. Sie verliebt sich in einen Gast und wird schwanger. Der Vater ihres Kindes, der in Berlin lebt, nimmt ihr kurz nach der Geburt das Baby weg und verschwindet mit ihm nach Deutschland. Die Frau ist verzweifelt und macht sich auf eine abenteuerliche Reise, um ihr Kind zurückzuholen. Über das Mittelmeer, von Süditalien bis ins ferne Berlin reist sie als Illegale. Unterwegs klaut sie sich eine neue Identität und einen schicken blauen Mantel. Erzählt wird ihre Geschichte aus der Sicht von den Menschen, die jeweils einen kurzen Abschnitt ihres neuen Lebens begleiten. Freundliche und verständnisvolle Menschen trifft sie, aber auch einige, die sie aus- und benutzen. Im letzten Teil kommt sie selbst zu Wort und erzählt aus ihrer Sicht. Ein eindrucksvoller Roman, der auf eine besondere Weise das Schicksal einer Migrantin beschreibt.

Belletristik

Marjana Gaponenko, Wer ist Martha?

Suhrkamp 2012, 237 Seiten

Mit 96 Jahren bekommt Luka Lewadski, ein ukrainischer Vogelkundler, der einst eine bahnbrechende Studie über die Rechenschwäche der Rabenvögel verfasste, von seinem Arzt eine Krebsdiagnose mitgeteilt. Viel Zeit bleibt nicht mehr. Kurz entschlossen packt Lewadski die Koffer und sein Geld zusammen, reist nach Wien und mietet sich dort im eleganten Hotel Imperial ein. Doch der Tod lässt auf sich warten. Dafür erscheint ein Altersgenosse, Herr Witzturn, auf der Bildfläche und fortan vergnügen sich die beiden Herren mit Konzertbesuchen, tiefsinnigen Gesprächen über die Vergänglichkeit und die Damenwelt und mit hochprozentigen Getränken. Wohl selten ist klüger, eleganter und lustiger über Alter und Tod geschrieben worden!

Belletristik

Michael Frayn, Willkommen auf Skios

Ü: Anette Grube, Hanser 2012, 285 Seiten

Alles beginnt mit zwei vertauschten Gepäckstücken auf dem Flughafen der griechischen Insel Skios. Der eine Neuankömmling hat ein Manuskript im Gepäck, um vor einer Stiftung über Szientometrie zu referieren, der andere freut sich auf ein Liebeswochenende mit seiner neuen Eroberung. Es folgt eine kuriose Verwechslungskomödie, in der der charmante Hochstapler Oliver Fox als Hauptredner auf der Tagung auftritt und der dröge Wissenschaftler Dr. Norman Wilfred im Schlafzimmer einer jungen Frau landet, die eindeutig nicht auf ihn gewartet hat. Der in London lebende Autor Michael Frayn verbindet in „Willkommen auf Skios“ Witz und Chaos mit bösen Seitenhieben auf den ach so seriösen Wissenschaftsbetrieb und seine skurrilen Auswüchse. Britischer Humor at it’s best!

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