Lesefutter – unsere Buchempfehlungen • Buchladen Osterstraße - lesen fängt links an • Hamburg • Eimsbüttel

Lesefutter

Sachbuch

Douwe Draaisma, Die Heimwehfabrik.

Wie das Gedächtnis im Alter funktioniert

Ü: Verena Kiefer, Galiani 2009, 171 Seiten

Manchmal treten Erinnerungen ganz unwillentlich auf: spontane, ungebetene, positive Erinnerungen, die vielleicht jahrelang verschüttet gewesen sind. In der Psychologie geht es dann um den Reminiszenzeffekt und den beschreibt Douwe Draaisma. Er erzählt gut unterhaltend sein Forschungswissen und untermalt es mit Fallbeispielen. Der Versuch, sich zukünftig an meist banale Handlungen bestimmt „erinnern“ zu wollen, fällt im Alter schwerer, während die konkreten Erinnerungen aus Kindheit und Jugend zunehmen. Konzentrationsstörungen, das Vergessen von Namen oder Wörtern, sind jedoch kein Symptom des Alters; den Kampf gegen das Vergessen führen wir unser Leben lang, nur verlieren wir ihn im Alter öfter und das merken wir dann.

Sachbuch

Simon Kuper, Football against the enemy.

Oder: Wie ich lernte, Deutschland zu lieben

Ü: Markus Montz, Die Werkstatt 2009, 379 Seiten

Simon Kuper, ein 22 Jahre junger in den Niederlanden aufgewachsener Journalist, bereist Anfang der 1990er Jahre in 9 Monaten 22 Länder, um Antworten auf zwei Fragen zu bekommen: Wie beeinflusst Fußball das Leben in einem Land? Wie beeinflusst das Leben in einem Land seinen Fußball? Kuper trifft korrupte Oligarchen in der Ukraine, interviewt Roger Milla in Afrika und lernt in Glasgow, warum die Rangers-Fans die von ihrem (katholischen) Mittelstürmer erzielten Tore vom Endergebnis wieder abziehen. Das Buch ist eine faszinierende Reise in die Welt des Fußballs. „Sollten Sie Fußball mögen, lesen Sie es. Sollten Sie Fußball nicht mögen, lesen Sie es“, (findet auch die Times).

Sachbuch

Klaus Schönberger u. Ove Sutter (Hg.), Kommt herunter, reiht euch ein …

Eine kleine Geschichte der Protestformen sozialer Bewegungen

Assoziation A 2009, 268 Seiten

Eine Aufsatzsammlung zu Protestformen sozialer Bewegungen: Das hört sich erst einmal nicht besonders spannend an. Dass hier Ergebnisse eines studentischen Projekts am Hamburger Institut für Volkskunde/Kulturanthropologie zusammengefasst wurden, stimmt nicht optimistischer. Aber was dabei herauskam, ist ein aufwändig gestaltetes Buch, das ausgesprochen kurzweilig nicht nur die Geschichte von etablierten und institutionalisierten Protestformen – Streik, Demonstration und Bürgerbewegung – beschreibt, sondern in dem sich die AutorInnen besonders um die unkontrollierten und humorvollen Formen des kollektiven Verhinderns und Dagegenseins in der Vergangenheit und Gegenwart kümmern. Wer sich für die Theorie des Tortenwerfens und den Stellenwert der Musik im Protest genauso interessiert, wie für die Bedeutung der Fahne und die Veränderung der Kleidung der Protestierenden, sollte sich dieses Buch auf jeden Fall genauer ansehen.

Sachbuch

Ute Kätzel, Die 68erinnen.

Porträts einer rebellischen Frauengeneration

Ulrike Helmer 2008, 319 Seiten

Der vierzigste Jahrestag der Studentenrevolte 1968 hat in diesem Jahr eine Flut von zumeist überflüssigen und manchmal auch ärgerlichen Büchern und Filmen ausgelöst. Da ist der engagierten Ulrike Helmer besonders hoch anzurechnen, dass sie dieses Buch von Ute Kätzel nach sechs Jahren wieder aufgelegt hat. Ute Kätzel hat 14 Frauen interviewt, die alle die 68er Bewegung aktiv miterlebt haben. Sie hat die Lebensgeschichten dieser Frauen aufgeschrieben, die aus verschiedenen gesellschaftlichen Schichten kommen und nach 1968 unterschiedliche Lebenswege eingeschlagen haben. Wir erfahren von bekannten Frauen, wie z. B. Helke Sander, Frigga Haug oder Gretchen Dutschke-Klotz, was der Aufbruch Ende der sechziger Jahre für sie bedeutet hat, aber auch unbekannte Frauen wurden befragt. Spannend und sehr lebendig gibt uns die Autorin ein Bild von dieser Zeit mit ihrem besonderen Blickwinkel, und zeigt, dass die Frauen mehr waren als fotogene Mitläuferinnen.

Sachbuch

Mike Davis, Eine Geschichte der Autobombe

Ü: Klaus Viehmann, Assoziation A 2007, 232 Seiten

„‚Eine Geschichte der Autobombe’ ist mit Sicherheit das perfekte Buch, um auf Flugreisen seinen Sitznachbarn nachhaltig zu beunruhigen”. So begann Adrian Kreye seine lobende Rezension in der Süddeutschen Zeitung. Man kann nach der Lektüre hinzufügen: Es ist mit Sicherheit auch das perfekte Buch, um die Fans verschiedenster so genannter Befreiungsbewegungen zum Nachdenken zu bewegen. Der amerikanische Soziologe Mike Davis beschreibt nüchtern und chronologisch die technische und politische Entwicklungsgeschichte der „Luftwaffe des kleinen Mannes”. Eine mit Eisenschrott beladene Pferdekutsche, die 1920 in der Wall Street explodierte, stand am Anfang einer bis heute andauernden Serie von Anschlägen. Die Täter wechseln von IRA und Vietcong zur ETA, von kolumbianischen Drogenbaronen und der Mafia bis zu selbsternannten Gotteskriegern. Davis’ durch zahlreiche Statistiken angereichertes Buch ist eine erschreckende Chronologie der Gewalt mit dem Fazit, dass eine Waffe, die den Tod von Passanten systematisch in Kauf nimmt oder gezielt verfolgt, „letzten Endes eine an sich faschistische Waffe ist”.

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