Lesefutter – unsere Buchempfehlungen • Buchladen Osterstraße - lesen fängt links an • Hamburg • Eimsbüttel

Lesefutter

Belletristik

Thomas Glavinic, Das größere Wunder

Hanser 2013, 528 Seiten

Jonas akklimatisiert sich und wartet in einem Basislager am Mount Everest darauf, endlich mit dem Aufstieg zu beginnen. Bergsteiger und Sherpas, die es nicht geschafft haben, deren Leichen an seinem Zelt vorbeigetragen werden, all das kann ihn nicht von seinem großen Traum abhalten, den Achttausender zu besteigen. Während des langen, quälenden Wartens und später, bei seinem verbissenen Aufstieg, lässt er sein Leben an sich vorbeiziehen. Die Kindheit in schwierigen, armen Familienverhältnissen, aus denen er zu seinem Freund Werner entflieht, dem Sohn reicher Eltern. Dort findet er ein neues Zuhause. Der irgendwann eintretende unerwartete Reichtum und ein Leben des Getriebenseins, stets auf der Suche nach dem immer größeren Wunder. Beeindruckend ist die Beschreibung der Bergwelt und spannend die extreme Herausforderung, der sich Jonas stellt. Ein Entwicklungs- und abenteuerlicher Bergroman, dazu noch eine Liebesgeschichte. Was will man mehr: großes Kino!

Belletristik

Stefano Benni, Brot und Unwetter

Ü: Mirjam Bitter, Wagenbach 2012, 279 Seiten

In Italien ist die Bar ein zentraler gesellschaftlicher Ort. Hier treffen sich Alt und Jung um zu trinken und zu essen, um Fußballergebnisse und andere Ereignisse von ähnlich großer Wichtigkeit zu diskutieren. Doch es droht Gefahr: Die geliebte und vertraute „Bar Sport“ soll einem modernen Einkaufszentrum weichen. Zur Rettung der Bar kommt das ganze Dorf zusammen. Aber wird das nützen? In seinem neuen Roman erweist sich Stefano Benni einmal mehr als Meister der amüsanten Abschweifung. Zu den vielen skurrilen und liebenswerten Haupt- und Nebendarstellern des Romans gehört auch der Schafhirte Tore, dessen berühmter Käse so sehr stinkt, das Adler im Flug in Ohnmacht fallen und die Steinböcke am Abhang zerschellen. "Brot und Unwetter“ ist der perfekte Urlaubsroman für alle Italienreisenden.

Belletristik

Judith Schalansky, Der Hals der Giraffe

Bildungsroman

Suhrkamp 2012, 222 Seiten

Inge Lohmark ist Biologielehrerin, sie mag keine Menschen. Sie gibt sich zynisch und kalt, spröde, streng und abweisend. Die Naturwissenschaften prägen ihr Weltbild und Charles Darwin ist ihr heilig. Das Wissen, dass alles Leben den Naturgesetzen unterworfen ist, lässt sie das zunehmend in Unordnung geratene Dasein in der ostdeutschen Provinz ertragen. Gegen die Zumutungen des Alttags setzt sie sich starrsinnig zur Wehr. Sie fühlt sich umzingelt von geistig minderbemittelten Kindern und einem inkompetenten Kollegium. Ihre Tochter hat sich in die USA abgesetzt und meldet sich fast nie. Ihr Mann betreibt in der verblühenden Landschaft eine Straußenfarm. Die Schule wird wegen sinkender Schülerzahlen beizeiten schließen müssen. Unterrichtsstoff sind ihre Maxime Evolution und Anpassung, doch ihr selbst gelingt es nicht, sich den Veränderungen anzupassen. Doch eine Schülerin weckt in ihr Sentimentalitäten, es lassen sich Risse in Inge Lohmarks harter Schale erahnen. Judith Schalanskys satirischer Bildungsroman ist nicht nur für Biologielehrerinnen ein großer Lesespaß!

Belletristik

Eugen Ruge, In Zeiten des abnehmenden Lichts

Roman einer Familie

Rowohlt 2012, 432 Seiten

Fünfzig Jahre deutscher Geschichte, von den fünfziger Jahren über die Zeit der Auflösung der DDR bis zum Anfang des neuen Jahrtausends. Wir begegnen mehreren Generationen einer Familie. Zum Beispiel Alexander, der auf den Spuren seiner Großeltern in Mexiko unterwegs ist. Die wurden in den Fünfzigern von der Partei nach Mittelamerika geschickt, um dort bei einer deutschsprachigen kommunistischen Zeitung mitzuarbeiten. Charlotte und Wilhelm, immer streng auf SED-Kurs, versuchten nach ihrer Rückkehr in die noch junge DDR, auch in ihrer Familie eine strenge Parteidisziplin durchzusetzen. Das Schicksal ihres Sohns Kurt, der nach vielen Jahren Lagerhaft aus der Sowjetunion zurückkehrt, die Schwierigkeiten mit dem Enkel Alexander, der sich in den Westen absetzt, das alles hat Ruge in seinem Roman auf wunderbare Weise verknüpft und nicht chronologisch, sondern wie ein Kaleidoskop zusammengesetzt.

Belletristik

Juli Zeh, Nullzeit

Schöffling 2012, 256 Seiten

Die Geschichte beginnt ganz harmlos mit einer Urlaubsidylle im Aussteigerparadies. Sven hat die Juristerei hinter sich gelassen und auf Lanzarote eine Tauchschule eröffnet. Jetzt hat ihn ein Paar exklusiv gebucht. Viel und einfach verdientes Geld, denkt er. Jola ist eine berühmte Soap-Schauspielerin und will in Vorbereitung zu einem Casting für eine ernst zu nehmende Rolle Tauchen lernen. Max ist um einiges älter und Schriftsteller. Bisher hat er ein erfolgreiches Buch veröffentlicht. Zwischen den beiden fliegen verbal die Messer, mit der Aussicht, bald real umgesetzt zu werden. Und Sven gerät dazwischen. Besonders gut ist die Geschichte durch die Erzählweise: Die LeserInnen erfahren abwechselnd Svens und Jolas Einschätzung der Ereignisse, erhalten aber keinen objektiven Blick auf das, was passiert. Und schließlich möchte Sven anlässlich seines Geburtstages einen ganz besonderen Tauchgang machen.

<< vorherige | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 nächste >>