Lesefutter – unsere Buchempfehlungen • Buchladen Osterstraße - lesen fängt links an • Hamburg • Eimsbüttel

Lesefutter

Sachbuch

Christoph Twickel, Gentrifidingsbums oder Eine Stadt für alle

Edition Nautilus 2010, 127 Seiten

Der Journalist und Buchautor Christoph Twickel, aktiv im Hamburger Netzwerk „Recht auf Stadt“, Mitinitiator und Sprecher von „Not In Our Name, Marke Hamburg“ beschreibt in seinem neuen Buch, was Gentrifizierung eigentlich ist: schleichende Veränderungen in einzelnen Stadtteilen, Verdrängung von KiezbewohnerInnen und von alt eingesessenen Läden und damit auch die Auflösung gewachsener nachbarschaftlicher Strukturen. Das passiert nicht nur im Hamburger Schanzen- oder Karoviertel. Twickel erklärt anschaulich den Ansatz des US-Ökonomen Richard Florida, der vor allem den Stadtentwicklern in den letzten Jahren ein wichtiges theoretisches Vorbild war. Spannend ist das Buch aber auch, weil eine Vielzahl von kleinen und größeren Widerstandsaktionen beschrieben wird.

Sachbuch

Jacques Tardi u. Jean-Pierre Verney, Elender Krieg, 2 Bde

Ü: Martin Budde, Edition Moderne 2010

„Elender Krieg’’ ist ein Anti-Kriegsbuch als Comic am Beispiel des Ersten Weltkriegs an der Westfront. Aus der Sicht eines einfachen französischen Soldaten, im Zivilberuf Schlosser, werden der unbarmherzige Stellungskrieg, der Zynismus von Regierungen und Heerführern sowie der millionenfache Tod von Soldaten und Zivilisten geschildert.

Farbenfroh beginnend gehen die großartigen und detailgenauen Zeichnungen Tardis mit dem Fortgang des Krieges immer stärker in Grautöne über, blutrote Akzente werden jedoch weiterhin gesetzt. Das ausführliche Nachwort von Jean-Pierre Verney, versehen mit Statistiken, historischen Fotografien und Landkarten, bietet Hintergrundinformationen für Schüler und Interessierte. Die beiden großformatigen Bände von „Elender Krieg“ sind so Zeichenkunst und Geschichtsunterricht zugleich.

Sachbuch

Maike Albath, Der Geist von Turin.

Pavese, Ginzburg, Einaudi und die Wiedergeburt Italiens nach 1943

Berenberg 2010, 189 Seiten

Früher war alles besser, denkt man unweigerlich nach der Lektüre von Maike Albaths Buch angesichts des gegenwärtigen halbseidenen Regierungschefs, der – flankiert von Neofaschisten und populistischen Schreihälsen – dabei ist, mittels Mediengleichschaltung, Justizgängelung und schmierigen Affären ein Land zu ruinieren.

„Der Geist von Turin“ ist der Versuch, an ein anderes Italien zu erinnern. Inmitten des italienischen Faschismus gründeten 1933 in Turin drei junge Intellektuelle – Giulio Einaudi, Leone Ginzburg und Cesare Pavese – einen Verlag, der für Jahrzehnte die literarische und politische Kultur Italiens mitbestimmen sollte. Die Literaturkritkerin Maike Albath lädt mit ihrem Buch dazu ein, große Autorinnen und Autoren wie Natalia Ginzburg, Cesare Pavese, Italo Calvino und Beppe Fenoglio neu- oder wiederzuentdecken. Ein wunderschöner Halbleinenband, nicht zuletzt auch in handwerklicher Hinsicht.

Sachbuch

Margarete Mitscherlich, Die Radikalität des Alters.

Einsichten einer Psychoanalytikerin

S. Fischer 2010, 269 Seiten

Jetzt ist die Psychoanalytikerin Margarete Mitscherlich 93 Jahre alt geworden und resümiert ihr bisheriges Leben. Wo kommt sie her? Wofür und wogegen lohnte es sich zu kämpfen? Was bedeuten für sie Alter und Tod? Ihr Lebensthema ist und bleibt die Aufarbeitung des Nationalsozialismus und die Unfähigkeit der Deutschen zu trauern. Keine Zukunft ohne Erinnerung. Von großer Bedeutung ist auch ihre Auseinandersetzung mit Emanzipation, wobei es ihr sowohl um die Befreiung von Vorurteilen und Ideologien, als auch um die Emanzipation der Frauen und die Auseinandersetzung mit den bestehenden Geschlechterrollen geht. Besonders überzeugend ist Margarete Mitscherlich, wenn sie feministische Kriterien für die Psychoanalyse gebraucht und berührend, wenn sie das Freud’sche Modell des „Durcharbeitens“ auf ihre eigene Biographie anwendet.

Sachbuch

Hans-Ulrich Dillmann/Susanne Heim, Fluchtpunkt Karibik

Jüdische Emigranten in der Dominikanischen Republik

Links Verlag 2009, 190 Seiten

Die Dominikanische Republik wird meistens nur mit Sonne, Palmen, Sandstrand und Karibiktraum für Pauschaltouristen in Verbindung gebracht. Dass es auf der Insel in den Jahren zwischen 1940 und 1945 ein großes Siedlungsprojekt für deutsche Juden gab, ist dagegen kaum bekannt. Trujillo, der damalige Diktator der Karibikrepublik, war zwar ein großer Bewunderer Hitlers, wollte aber in seinem Land den Anteil der weißen Bevölkerung vergrößern. Im Gegensatz zu vielen anderen Regierungen erklärte er sich bereit, 100.000 verfolgten Juden Zuflucht zu gewähren. Warum letztendlich lediglich ca. 500 Menschen diese Möglichkeit des Exils gewählt haben, was aus ihnen und dem Siedlungsprojekt nach Kriegsende geworden ist, beschreiben Hans-Ulrich Dillmann und Susanne Heim. Gespräche mit Zeitzeugen und Fotomaterial geben einen anschaulichen Einblick in diesen Teil deutscher Exilgeschichte.

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