Lesefutter – unsere Buchempfehlungen • Buchladen Osterstraße - lesen fängt links an • Hamburg • Eimsbüttel

Lesefutter

Belletristik

Donna Tartt, Der Distelfink

Ü: Rainer Schmidt und Kristian Lutze, Goldmann 2015, 1024 Seiten

Theo besucht mit seiner Mutter das Metropolitan Museum, wo das Gemälde „Der Distelfink“ zu sehen ist. Kurz nachdem die Mutter ihm erklärt hat, worin die Faszination liegt und warum das ihr Lieblingsbild ist, explodieren Bomben. Theo überlebt und hat eine Begegnung, die sein Leben verändern wird: Ein sterbender Mann fordert ihn auf, das Bild zu retten. Als Theo erfährt, dass seine Mutter tot ist, behält er es zur Erinnerung. Es begleitet ihn nun durch sein wildes, unbehaustes Leben und wird immer mehr zur Belastung. Bei der Arbeit in einem Antiquitätengeschäft lernt er alles über Originale und Fälschungen. Er verstrickt sich in illegale Machenschaften und das Bild wird gestohlen. Es ist ein Roman über unsterbliche und uns tröstende Kunst. Dem Sog der Geschichte kann man sich nicht entziehen – Kunst und Spannung: eine grandiose Kombination.

Belletristik

Vanessa F. Fogel, Hertzmannʼs Coffee

Ü: Eva Bonné, BTB 2015, 320 Seiten

Dora und Yankele Hertzmann, ein betagtes jüdisches Paar, leben seit den 1960er-Jahren in New York. Die beiden haben sich nach Ende des Zweiten Weltkrieges in Berlin kennengelernt und eine Exportfirma für Kaffee aufgebaut. Jetzt naht der Zeitpunkt, das Unternehmen in die Hände eines ihrer vier erwachsenen Kinder zu geben und damit ist ein gewaltiger Familienkrach vorprogrammiert. Neid, Eifersucht und Konkurrenzdenken lässt die Geschwister aufeinander losgehen. Yankele hingegen will unbedingt noch Kontakt zu seiner verschollenen Schwester aufnehmen. Er macht Filmaufnahmen, die er auf YouTube stellen lässt und erzählt über sein Leben, seine Kinder und den aktuellen Streit. Der Roman ist eine wunderbare, mit viel Humor erzählte Familiengeschichte und gleichzeitig die Geschichte einer großen Liebe, die schon fast ein ganzes Leben dauert.

Belletristik

Nino Haratischwili, Das achte Leben (Für Brilka)

Frankfurter Verlagsanstalt 2014, 1280 Seiten


Die zwölfjährige Brilka Jaschi ist abgehauen, bei einer Gruppenreise in den Westen hat sie sich abgesetzt. Ihre Tante macht sich auf die Suche, zum einen nach der Ausreißerin, zum anderen nach der Familiengeschichte: die Jaschis in und aus Georgien während des gesamten zwanzigsten Jahrhunderts. Zur Zarenzeit scheint die Welt noch intakt zu sein, doch Weltkriege, Oktoberrevolution, Annektierung und Stalins Säuberungsaktionen konfrontieren die Familie mit dramatischen Problemen. Selbstverständlich geht es auch um Liebe, Kinder und Affären; aber Verrat, der allgegenwärtige Geheimdienst und Deportierungen in Arbeitslager sorgen für Hass, Trennungen und Tod. Und es geht um ein Geheimrezept für heiße Schokolade, das von Generation zu Generation immer nur an eine Person weitergegeben wird. Unglaublich dicht und packend erzählt, garantiert nie langweilig, macht dieser Roman süchtig, genau wie die Schokolade.

Belletristik

James Carlos Blake, Das Böse im Blut

Ü: Matthias Müller, Liebeskind 2013, 448 Seiten

Die Lehre aus diesem Hardcore-Western, der gleichzeitig ein starkes Stück amerikanischer Literatur ist, lautet: Der Gründungsmythos der Vereinigten Staaten ist nichts anderes als ein Gebräu aus Blut, Hass, Dreck, Gemeinheit und Gewalt. Georgia 1842: Die Brüder Edward und John Little müssen mit ansehen, wie ihr Vater aus nichtigem Grund einen Mann ersticht. Von der Gewalt traumatisiert und gleichzeitig angezogen, töten sie drei Jahre später ihren eigenen Vater, einen Säufer und Vergewaltiger, und machen sich gemeinsam auf den Weg nach Westen. In New Orleans werden sie getrennt und treffen sich erst im Kampfgetümmel des Amerikanisch-Mexikanischen Krieges wieder. Jedoch auf verschiedenen Seiten. James Carlos Blake wird zu Recht oft mit Cormac McCarthy verglichen. Cowboy und Indianer auf hohem Niveau sozusagen, ein furioser Plot, der die beiden Brüder mehr als nur einen Sklap verlieren lässt. Andere Abenteuerromane verkümmern im Vergleich zu „Das Böse im Blut“ sehr schnell zur Gutenachtgeschichte.

Belletristik

Daniel Galera, Flut

Ü: Nicolai von Schweder-Schreiner, Suhrkamp 2013, 425 Seiten

Der namenlose Held in Daniel Galeras Roman verlässt nach dem Suizid seines Vaters die Stadt. Vor dessen Tod hat er von ihm die Geschichte seines Großvaters erfahren, der vor vielen Jahren in dem kleinen Fischerort Garopaba auf mysteriöse Weise verschwand. Der Protagonist quartiert sich zum Ende der Urlaubssaison in Garopaba ein. Er arbeitet als Sporttrainer, schwimmt täglich und kümmert sich um den alten Hund seines Vaters. Er schließt mit wenigen Menschen im Dorf Freundschaft und wird angefeindet, wenn er versucht, das Geheimnis um das Verschwinden seines Großvaters zu lüften. Die große Ähnlichkeit zwischen dem jungen Mann und seinem Großvater lässt viele im Ort zutiefst erschrecken. Das kann der Held der Geschichte nicht nachvollziehen. Er leidet an Gesichtsblindheit, das bedeutet, dass er sich keine Gesichter merken kann. Dadurch werden seine Nachforschungen erschwert, weil er sich beispielsweise nicht merken kann, wer ihm feindlich gegenübergetreten ist. Stattdessen hat er aber ein sicheres Gespür für die Natur um ihn herum, das Meer, die Wale und die Berge an der Küste. Daniel Galera hat einen spannenden Roman geschrieben, der auch von den großartigen Landschaftsbeschreibungen lebt.

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