Lesefutter – unsere Buchempfehlungen • Buchladen Osterstraße - lesen fängt links an • Hamburg • Eimsbüttel

Lesefutter

Biografien

Hermann Knüfken, Von Kiel bis Leningrad.

Erinnerungen eines revolutionären Matrosen 1917 bis 1930

BasisDruck 2008, 474 Seiten

Knüfken, ein undogmatischer Kommunist und Mitglied des Kieler Arbeiter- und Soldatenrats, entführte 1920 zusammen mit dem Schriftsteller Franz Jung den Fischdampfer „Senator Schröder“ von Cuxhaven ins sowjetische Murmansk. Dort begrüßte Lenin die „Genossen Piraten“, auch Radek und Bucharin diskutierten mit Knüfken die politische Lage. Knüfken blieb in der Sowjetunion, leitete den Interklub für Seeleute in Leningrad, wurde 1929 vom sowjetischen Geheimdienst verhaftet und in die Lubjanka gesteckt. Nach seiner Entlassung überlebte er den Nationalsozialismus in Holland, Belgien und England. Als Mitglied der Entnazifizierungskommission für Seeleute kehrte Knüfken 1946 nach Hamburg zurück. Bis zu seinem Tod 1965 lebte er in England. Seine Lebenserinnerungen sind ein faszinierendes Dokument aus einer Zeit, als viele Menschen mit Mut und ungebrochenem Optimismus für eine andere Welt kämpften.

Biografien

Rossana Rossanda, Die Tochter des 20. Jahrhunderts

Ü: Maja Pflug/Friederike Hausmann, Suhrkamp 2007, 480 Seiten

Die italienische Intellektuelle Rossana Rossanda gehört zu einer der bekanntesten Personen der europäischen Linken des 20. Jahrhunderts. 1943 war sie in die kommunistische Partei eingetreten und arbeitete in der antifaschistischen Resistenza mit. Doch schon früh begehrte sie auf und geriet in Konflikt mit der Parteidikatur. Rossana Rossanda musste die Partei verlassen, gründete dann gemeinsam mit Gleichgesinnten die Zeitschrift „il manifesto”. In ihrer Autobiografie zieht die faszinierende Frau nicht nur ein Fazit ihrer politischen Aktivitäten. Vielmehr stellt sie sie noch einmal zur Disposition, ringt um Erklärungen und bleibt doch sich selber treu: Sie ist immer noch bekennende Kommunistin. Ein beeindruckendes Zeugnis einer Linken, die sich nicht in nostalgischen Erinnerungen verliert, sondern weiterhin reflektierend auf politische Verhältnisse einwirken möchte. Da sie unendlich viele Daten, Fakten und Personen nennt, gibt das Buch gleichzeitig einen tiefen Einblick in die italienische Geschichte des 20. Jahrhunderts.

Biografien

André Schiffrin, Paris, New York und zurück

Politische Lehrjahre eines Verlegers

Ü: Andrea Marenzeller, Matthes & Seitz 2010, 256 Seiten

André Schiffrin, Sohn jüdisch-russisch-französischer Eltern, musste 1941 mit seiner Familie nach Amerika emigrieren. Sein Vater versuchte, an seine erfolgreiche Verlegertätigkeit anzuknüpfen und war immer davon überzeugt, wieder nach Frankreich zurückkehren zu können. Sein Sohn André schaffte es, sich ein Leben zwischen den Kulturen aufzubauen. Nach seinem Studium begann er bei Pantheon Books zu arbeiten, dem Verlag des Emigranten Kurt Wolff, und veröffentlichte unter anderem Autoren wie Foucault, Chomsky, Hobsbawm, Duras und Bourdieu. Schiffrin schreibt über seine unterschiedlichen Lebensstationen, sehr persönlich ohne Privates preiszugeben und gibt so nicht nur einen Einblick in die internationale Verlagswelt, sondern auch in die amerikanische Gesellschaft der 1960er und 1970er Jahre.

<< vorherige | 1 | 2 | 3
nächste >>