Lesefutter – unsere Buchempfehlungen • Buchladen Osterstraße - lesen fängt links an • Hamburg • Eimsbüttel

Lesefutter

Sachbuch

Lothar Frenz, Lonesome George oder Das Verschwinden der Arten

Rowohlt 2012, 346 Seiten

Der Biologe und Journalist Lothar Frenz ist weit gereist. Und er hat ein großes Interesse an Tieren. So berichtet er über verschiedene Arten, die existieren, fast ausgestorben sind oder von denen gerade das letzte Exemplar verschwunden ist. Frenz führt uns durch die Kontinente und erzählt spannende und teilweise kuriose Geschichten. Wir erfahren etwas über das Verschwinden magenbrütender Frösche oder wie mit der Rettung des Andenkondors nebenbei eine andere Tierart ausgerottet wurde. Es gibt sogar Tierarten, die mehrere Male aussterben, und es gibt ein Foto der letzten Wandertaube Martha, benannt nach der damaligen First Lady von Amerika.
Und was ist mit der buchtitelgebenden Riesenschildkröte Lonesome George, die auf einer Galapagosinsel lebte? Sie wurde vermutlich über hundert Jahre alt, bis sie kurz nach Erscheinen des Buches starb.

Sachbuch

Daniel Blatman, Die Todesmärsche 1944/45

Das letzte Kapitel des nationalsozialistischen Massenmords

Ü: Markus Lemke, Rowohlt 2011, 851 Seiten

Oftmals wurden die Todesmärsche, auf die die KZ-Häftlinge nach Auflösung der Konzentrationslager geschickt wurden, in der Forschung lediglich als Epilog zu NS-Vernichtungspolitik wahrgenommen. Der israelische Historiker Daniel Blatman hat diese mörderische Endphase des NS-Regimes nun explizit unter die Lupe genommen. Auf Grundlage einer breiten Quellenbasis kommt er zu erschreckenden Ergebnissen. Überall in Deutschland und Österreich zogen die Häftlingskolonnen durchs Land. Die „normale“ Bevölkerung konnte nicht mehr an ihnen vorbei sehen. Sie konnte helfen – was selten geschah – oder mitmorden. „Zebras schießen“ nannten in den Dörfern verbliebene Volkssturmmänner und HJ-Angehörige ihre Mordtaten. Mehr als ein Drittel der ca. 700 000 Gefangenen überlebte die Todesmärsche nicht. Daniel Blatman hat ein erhellendes und verstörendes Werk über die Zeit des moralischen Chaos vorgelegt. Unbedingt lesenswert!

Sachbuch

Georg von Wallwitz, Odysseus und die Wiesel

Eine fröhliche Einführung in die Finanzmärkte

Berenberg 2011, 152 Seiten

„Broker verkaufen nichts von nennenswertem Wert […]. Sie sind kleine Wiesel mit winzigen Zähnen und machen dennoch erstaunliche Beute.“ Dies ist nur ein Fazit, das Georg von Wallwitz, studierter Mathematiker und Philosoph und selbst im Investmentgeschäft tätig, in seinem Insiderbericht über die Finanzmärkte zieht. Von Wallwitz stellt fest, dass die Privatanleger, die nur gelegentlich mit kleinen Summen an der Börse handeln, dort etwa dasselbe Ansehen haben wie Plankton im Ozean. Ihnen werden gerne Aktien verkauft, die intern mit dem Kürzel „POS“ („Piece of shit“) gekennzeichnet sind. Wallwitz prüft die Tugenden des Odysseus (listenreich, skeptisch und entscheidungsfreudig) auf deren Nutzen für das Finanzgeschäft. Lehr- und kenntnisreich, durchaus aber auch lustig und selbstironisch, führt der Autor durch die Frühgeschichte des Geldhandels, diskutiert aber auch Keynes und die klassische Theorie und prangert die Gier des heutigen Marktes an.

Sachbuch

Oliver Leistert und Theo Röhle (Hg.), Generation Facebook

Über das Leben im Social Net

Transcript 2011, 283 Seiten

Ist die eigene Homepage nicht genauso ein überholtes Konzept wie Blogs oder die Kommunikation per E-Mail? Ist mit dem Phänomen

Facebook ein neues Medium entstanden, welches zukünftige Kommunikationsweisen prägen wird? Der Sammelband versucht, eine „fundierte, kritische Perspektive auf Facebook“ zu entwickeln. Namhafte Autorinnen und Autoren aus verschiedenen Wissenschaftsbereichen nähern sich den vielschichtigen Fragestellungen, welche problematischen Effekte Facebook auf Subjekt und Gesellschaft, auf Privatsphäre und Überwachungssysteme hat. Zudem stellen sie vor, welche technischen Alternativen zu Facebook existieren oder denkbar wären. Ergänzt werden die Beiträge durch essayistische Kommentare. Spannend ist auch die Untersuchung, welche Rolle das neue Medium im „Arabischen Frühling“ gespielt hat oder welche Wandlung der Begriff „Freundschaft“ für die Facebook-User erfährt.

Ein anregendes Buch, hilfreich für jede inhaltliche Debatte um Social Media.

Sachbuch

Jonathan Wilson, Revolutionen auf dem Rasen.

Eine Geschichte der Fußballtaktik

Ü: Markus Montz, Die Werkstatt 2011, 463 Seiten

Dies ist ein Fußballbuch für Fortgeschrittene: Catenaccio? Kick and Rush? Totaal-voetbal? Wahrscheinlich alles schon einmal gehört. Aber was bedeutet „Scheibeln“ und wie funktioniert das W-M-System? Der britische Journalist und Autor Jonathan Wilson hat eine umfassende Geschichte der Fußballtaktik geschrieben, die von den ersten Dribbelversuchen am Eton College bis zum Hochgeschwindigkeitsfußball des FC Barcelona reicht. In Großbritannien war Wilsons Buch das Fußballbuch des Jahres. Nun ist es endlich auf deutsch erschienen. Nach der Lektüre verliert die eigene Mannschaft vielleicht immer noch, aber man versteht besser warum.

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