Lesefutter – unsere Buchempfehlungen • Buchladen Osterstraße - lesen fängt links an • Hamburg • Eimsbüttel

Lesefutter

Biografien

Renate Kroll (Hg.), Victoria Ocampo. Mein Leben ist mein Werk.

Eine Biographie in Selbstzeugnissen

Aufbau 2010, 339 Seiten

Sie war wirklich eine ganz ungewöhnliche Frau. Als Victoria Ocampo 1979 im Alter von 89 Jahren starb, hat sie ein Lebenswerk hinterlassen, das die Literatur und die Kunst des 20. Jahrhunderts maßgeblich beeinflusst hat. Sie war Schriftstellerin, Übersetzerin Frauenrechtlerin und dazu viel besungene Muse, wobei ihr die männlichen Lobgesänge mit dem Alter zunehmend suspekt wurden. Aber vor allem gründete sie mit SUR eine fast fünfzig Jahre lang tonangebende Literaturzeitschrift, die den interkontinentalen Austausch der Intellektuellen förderte. Ihre große Leidenschaft galt der zeitgenössischen Literatur und sie wollte die entsprechenden AutorInnen auch kennen lernen. Das ist ihr oft gelungen, sie war u.a. befreundet mit Graham Greene, Albert Camus, Jorge Luis Borges, André Malraux, Rabindranath Tagore, Virginia Woolfe, Stefan Zweig und Susan Sontag. Ebenso international wie ihr Freundeskreis waren auch ihr Interesse für die politischen Verhältnisse der einzelnen Länder. Und sie kämpfte gegen den Peronismus, den Faschismus und für die Emanzipation im eigenen Land. Es ist höchste Zeit, diese Frau durch ihre eigenen Texte näher kennen zu lernen.

Biografien

Susanne Beyer, Palucca – Die Biografie

AvivA 2009, 430 Seiten

Gret Palucca (1902-1993) gilt als eine der Erfinderinnen des modernen Tanzes. Sie lernte Ausdruckstanz bei der legendären Mary Wigman, in einer Zeit, als es für Frauen ganz neu war, sich die sportliche Beweglichkeit ihrer Körper bewusst zu machen und sich darin auszuprobieren. Mit ihren Tanzvorstellungen füllte sie bald die großen Bühnenhäuser, war gefeierter Star, wurde von Kandinsky und Kirchner gemalt und war in avantgardistische Kunst- und Intellektuellenkreise integriert. Ihre Biografin Susanne Beyer beschreibt ihren Weg durch große Erfolge, Auftritte mit Sondergenehmigung (weil Palucca „Halbjüdin“ ist), Bombennächte in Dresden, politisches Engagement in der DDR, Tanzschuleröffnungen und Wendezeiten und spricht von einem „deutschen Jahrhundertleben“.

Biografien

Martha Gellhorn, Ausgewählte Briefe

Ü: Miriam Mandelkow, Dörlemann 2009, 416 Seiten

Briefe zu lesen von erst einmal persönlich Fremden ist schon etwas sonderbar, wie heimlich Gesprächen lauschen. Bei der Herausgabe der ausgewählten Briefe von Martha Gellhorn ist es gelungen, die Professionalität der Schriftstellerin und Korrespondentin herauszustellen. Darin spiegelt sich das aufregende Leben einer exzentrischen Frau, das von 1908 bis 1998 währte. Sie liebte Begegnungen mit anderen Menschen, suchte Abenteuer und erkundete unerschrocken die Kriegsschauplätze des 20. Jahrhunderts. Der Ton ihrer Briefe ist mal nachdenklich und sehr anrührend, manchmal absolut nüchtern, oft witzig und lakonisch analysierend. In kurzen Zwischentexten werden ihre BriefpartnerInnen vorgestellt und zusammen mit dem ergänzenden Nachwort von Sigrid Löffler ergibt sich ein komplexes Lebensbild.

Biografien

Emily Hahn, Shanghai Magie.

Reportagen aus dem New Yorker

Ü: Dagmar Yu-Dembski, Edition Ebersbach 2009, 165 Seiten

Als Kind wollte Emily Hahn die beste Eisläuferin der Welt oder Weltmeisterin im Löwenbändigen werden. Daraus wurde nichts, aber mit ihren Reportagen hat sie sich zu ihrer Zeit einen Namen gemacht. Nach einer gescheiterten Beziehung geht sie mit ihrer Schwester auf Reisen nach Asien. Ursprünglich ist ihr Ziel Britisch-Kongo, aber sie lässt sich auch gerne überreden, einen Abstecher nach China zu machen. Bereits kurz nach ihrer Ankunft ist für sie klar: Hier will sie leben. Sehr persönlich berichtet sie über ihre Zeit in den dreißiger Jahren in Shanghai: Ihre Bekanntschaften, ihre Erfahrungen mit dem Opiumrauchen, ihre Reisen in China und schließlich die Kriegswirren.

Biografien

Ruth Klüger, unterwegs verloren. Erinnerungen

Zsolnay 2008, 236 Seiten

Dieses Buch ist: bösartig, intim, gemein und unversöhnlich. Es ist aber auch: ehrlich, prinzipientreu, lehrreich und witzig. Ruth Klüger, Feministin, Jüdin, Auschwitzüberlebende und Germanistin, hat 16 Jahre nach ihrem Buch „weiter leben. Eine Jugend“, in dem sie von ihrer Kindheit in Wien und der Verschleppung in die Lager des Nationalsozialismus berichtete, den zweiten Teil ihrer Autobiographie veröffentlicht. Hier schildert sie ihren Weg in die neue Heimat USA, in die Wissenschaft, in das Familienleben und das Alter. Präzise beobachtet und beschreibt die Autorin sich selbst und ihre Umwelt, entlarvt die patriarchalen Strukturen des Universitätsbetriebs, benennt auch die Schattenseiten des Kinderkriegens und zeigt unerbittlich den noch immer latent existierenden Antisemitismus auf.