Lesefutter – unsere Buchempfehlungen • Buchladen Osterstraße - lesen fängt links an • Hamburg • Eimsbüttel

Lesefutter

Bilderbuch

Michael Roher, Zu verschenken

Picus 2011, 32 Seiten

Familie Josef lebt nicht in einem Wohnwagen, sondern in ihrem Hausrad. Sie sammeln unterwegs Dinge, die nicht mehr gebraucht oder weggeworfen werden.
Repariert, ausgebessert und gesäubert verschenken sie die Gegenstände an Menschen, die sie gebrauchen können. Als sie in die Stadt kommen, sind die Leute erst einmal misstrauisch: Was soll denn das, woher kommen all die Sachen? Da taucht ein kleines Mädchen auf, das ein Kuscheltier abgibt: Sie braucht es nicht mehr. Plötzlich setzt sich die Idee des Tauschens und Verschenkens durch. Jeder hat etwas, was er nicht mehr gebrauchen kann, für jemand anderen aber sehr nützlich ist. Schließlich mündet alles in einem großen Fest und die Josefs ziehen weiter.
Eine liebevoll illustrierte Geschichte für Kinder ab 5 Jahre.

Kulinarisches

Semiha Stubert, Afiyet olsun! Die wunderbaren Rezepte meiner türkischen Familie

illustriert von Claudia Lieb

Gerstenberg 2011, 176 Seiten

Semiha Stubert ist bei ihren Großeltern in der Türkei aufgewachsen, während ihre Eltern als „Gastarbeiter“ in Deutschland waren. Von ihrer Großmutter Nene lernte sie nicht nur köstliche Gerichte zu kochen, sondern hörte auch viele Geschichten zu den Speisen. Die Autorin führt uns durch die Jahreszeitenküche, wir lernen Speisen für ein Picknick oder das Opferfest und den Ramadan kennen. Der Besuch der Eltern im Juli in ihrem Heimatdorf kündigte sich jährlich mit großen Vorbereitungen in Küche und Garten an. Die Illustrationen von Claudia Lieb machen dieses Kochbuch zu einem kleinen Kunstwerk.
Afiyet olsun! – Guten Appetit.

Bilderbuch

Fabrizio Silei, Der Bus von Rosa Parks

illustriert von Maurizio A.C. Quarello

Ü: Sarah Pasquay, Jacoby & Stuart 2011, 40 Seiten

Der Ausflug des kleinen Ben mit seinem Großvater in das Henry-Ford-Automuseum wird zu einer Reise zu einem der großen Wendepunkte der US-amerikanischen Geschichte. Vor einem alten Bus stehend erzählt der Großvater seinem Enkel von dem Tag im Jahr 1955, als die Schwarze Rosa Parks sich weigerte, ihren Sitzplatz für einen weißen Fahrgast zu räumen. Die mutige Rosa Parks wurde verhaftet und mußte ein Strafgeld zahlen. Die schwarze Bevölkerung boykottierte daraufhin aus Protest die Verkehrsbetriebe. Ein Jahr später erklärte der Oberste Gerichtshof die Rassentrennung für gesetzwidrig. Fabrizio Silei hat ein wunderschönes und großzügig illus-triertes Kinderbuch über Zivilcourage und Menschenrechte geschrieben: ein Geschichtsbuch für Kinder ab 8 Jahre.

Krimi

Dominique Manotti, Einschlägig bekannt

Ü: Andrea Stephani, Argument Verlag 2011, 250 Seiten

Die (fiktive) Pariser Vorstadt Panteuil im Sommer 2005: Kommissariatschefin Le Muir dringt darauf, den Plan des Innenministers durchzusetzen – die „Reinigung“ der Ban-lieues von jungen, aufständischen Migranten. Ein Wohnheim illegaler Einwanderer geht in Flammen auf, Polizisten organisieren die Prostitution in einem Parkhaus gleich selbst, und rassistische Gewaltbereitschaft ist im Revier an der Tagesordnung. Nora Ghozali, Spezialermittlerin, recherchiert dagegen in den eigenen Reihen. Zwei starke Frauen begegnen sich als Kontrahentinnen in einem starken Krimi. Dominique Manotti, eine ehemalige Professorin für Wirtschaftsgeschichte, positioniert sich in „Einschlägig bekannt“ explizit politisch und berichtet von der dunklen Seite der Macht. Der politische Krimi lebt!

Sachbuch

Gerald Hüther, Was wir sind und was wir sein könnten.

Ein neurobiologischer Mutmacher

Fischer 2011, 189 Seiten

Der Neurobiologe und Hirnforscher Gerald Hüther beschäftigt sich seit einigen Jahren damit, wie Denken, Fühlen, Wahrnehmen und Empfinden mit dem Körper zusammenhängen und hat bereits eine „Bedienungsanleitung für ein menschliches Gehirn“ veröffentlicht. In seinem neuen Buch zeigt er, dass unser Gehirn sehr viel mehr kann, als nur Ressourcen auszunutzen, die auch versiegen und zu Krankheiten wie Burn-out, Depression oder Demenz führen können. Wir müssen auf Potentialentfaltung setzen, auf Vertrauen und Miteinander statt auf Konkurrenz und Wettbewerb und uns vor allem wieder begeistern, weil Begeisterung Dünger für das Gehirn ist. Wir können die Macht der inneren Bilder beenden und auch die Angst vor Neuem überwinden. Dazu will Hüther Mut machen. Wir können uns dafür entscheiden, etwas zu ändern, zumindest unser Gehirn ist dazu in der Lage.

Belletristik

Luis Sepúlveda, Der Schatten dessen, was wir waren

Ü: Willi Zurbrüggen, Rotpunktverlag 2011, 156 Seiten

„Ich bin der Schatten dessen, was wir waren, und solange es Licht gibt, existieren wir.“ Das sind die letzten Worte von Pedro Noasco González, dessen Großvater mit Durruti den ersten Banküberfall in Santiago de Chile durchführte. Wenig später ist Pedro tot, erschlagen von einem Dual-Schallplattenspieler. Ein tragischer Tod ist dies auch für Cacho, Lucho und Lolo, die auf Pedro warten, den alten Experten, den sie noch aus der gemeinsamen Zeit im Widerstand gegen die chilenische Militärdiktatur kennen. Der „Schatten“, wie er genannt wurde, wollte mit ihnen Geld holen, viel Geld, das vor vielen Jahren an einem geheimen Ort versteckt wurde. Mit großem Humor erzählt Luis Sepúlveda die Geschichte einer Gruppe alter Männer, die – zurück aus dem Exil und gefangen in ihren Erinnerungen – noch einmal einen großen Coup planen.

Geschenkbuch

Thomas Henning, Schanze, 1980

Junius 2011, 94 Seiten

Das Fotobuch von Thomas Henning „Schanze, 1980“ ist eine Zeitreise im Querformat. Das „Gentrifidingsbums“ hatte das Hamburger Schanzenviertel noch nicht erfaßt, die Autos standen farbenfroh auf Kopfsteinpflasterstraßen herum und die Schlaghose wurde mit dem gleichen Stolz getragen wie der Oberlippenbart. Auch das Wort Galão dürfte vielen noch unbekannt gewesen sein. Hennings Farbbilder zeigen nicht nur bröckelnde Fassaden und graue Hinterhöfe. Auch die deutschen und ausländischen Bewohner des Quartiers blicken in das Kameraobjektiv oder huschen daran vorbei. Kohlenhändler, Autowerkstätten, Schlachter und Eckkneipen fanden damals noch ihren Platz im heutigen Szeneviertel. Dass seit den Aufnahmen doch ein paar Jahre ins Land gegangen sind, merkt man nicht zuletzt an den Parolen an den Häuserwänden („Tötet Strauss!“). Manches erledigt sich mit der Zeit halt von selbst.

Geschenkbuch

Cornelia Klauß und Frank Böttcher (Hg.), Unerkannt durch Freundesland.

Illegale Reisen durch das Sowjetreich

Lukas Verlag 2011, 445 Seiten

Im Jahr 2006 wurde der Film „Unerkannt durch Freundesland“der Dokumentarfilmerin Cornelia Klauß im Fernsehen ausgestrahlt. Frank Böttcher, Journalist, Verleger und selbst als Transitreisender unterwegs Gewesener, regte an, daraus ein Buch zu machen. Der vorliegende Band ist eine Fundgrube an unglaublichen Reisegeschichten, Berichte von Menschen, die sich zu DDR-Zeiten aufmachten, „exotische“, ferne Länder zu erkunden. Karibik, Südamerika oder die Südsee waren als Ziel ihrer Träume unmöglich, aber es gab ja noch Landschaften außerhalb Usedoms und des Balatons: Begeisterte Bergsteiger, die sich in den 1980er Jahren ins Fangebirge in Tadshikistan aufmachten, um Fünftausender zu besteigen. Die Familie, die zehn Jahre vorher mit Kind und Kegel im Wartburg mit eiförmigen Wohnwagenanhänger auf die Krim fuhr. Während in Westeuropa die Jugendlichen per Interrailticket Ländergrenzen überwanden, waren Abenteurer aus der DDR in der riesigen Sowjetunion unterwegs. Frei nach dem Motto von Manfred Krug: Eine Weltanschauung kommt davon, dass man sich die Welt anschaut. Ein wunderbares Reisebuch der anderen Art, mit viel Fotomaterial aus Privatarchiven bebildert.

Krimi

Adrian McKinty, Todestag

Ü: Kirsten Riesselmann, Suhrkamp 2011, 430 Seiten

Michael Forsythe, der Held in Adrian McKintys furioser irisch-amerikanischer Thriller-Trilogie, gerät nach Jahren der relativen Ruhe im Zeugenschutzprogramm im wahrsten Sinne des Wortes erneut in die Schusslinie. In Lima halten ihm zwei Killer die Knarre an den Kopf und stellen ihn vor die Wahl: Entweder er fährt nach Irland und findet die entführte Tochter seiner alten Todfeindin Bridget Callaghan oder – genau – sie drücken ab. Michael begibt sich am Bloomsday auf heimatlichen Boden und es beginnt eine gnadenlose Jagd durch Dublin und Belfast …

Geschenkbuch

Fatih Akin, Im Clinch. Die Geschichte meiner Filme

hg. von Volker Behrens und Michael Töteberg

Rowohlt 2011, 254 Seiten

Seit seinem Film „Gegen die Wand“ gehört Fatih Akin zu den erfolgreichsten Regisseuren, es gab Filme davor und danach und hoffentlich auch noch viele weitere. Beim Filmemachen habe er keine politische Botschaft im Kopf – ein Geschichtenerzähler will er sein, Menschen unterhalten und zum Nachdenken bringen. Jetzt hat er ein Buch veröffentlicht und darin erzählt er die Geschichte seiner Filme und viel über sich selbst. Es ist ein großes Making-of seines bisherigen Werkes, illustriert mit zahlreichen großartigen schwarz-weiß Fotos zeigt es seine Arbeit. Filmemachen vergleicht er mit Boxen: „Kräfte einteilen, Taktik, Timing“ und oft genug lag er im Clinch mit sich selbst. Für Menschen, die sich für Filme interessieren und Fatih Akin kennen und mögen ist dieses Buch ein wunderbares Geschenk.

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