Lesefutter – unsere Buchempfehlungen • Buchladen Osterstraße - lesen fängt links an • Hamburg • Eimsbüttel

Lesefutter

Krimi

Ken Bruen, Jack Taylor gegen Benedictus

Ü: Harry Rowohlt, Atrium 2012, 183 Seiten

Jack Taylor – (zur Zeit) abstinenter Privatdetektiv im irischen Galway – bekommt einen Brief. Ein unbekannter Absender namens Benedictus kündigt in diesem Brief fünf Morde an, in chronologischer Reihenfolge: zwei Polizisten, eine Nonne, ein Richter und ein Kind. Das ist schon schlimm genug, jedoch ahnt Jack Taylor nicht, dass er selbst als sechstes Opfer auf Benedictus’ Liste vorgesehen ist. Und während er sich in den Kampf gegen den unbekannten Mörder und die zahlreichen Dämonen seiner eigenen Vergangenheit stürzt, greift er doch wieder zu Pint und Flasche.Dieser 7. Band der „Jack Taylor-Reihe“ ist – wie alle seine Vorgänger – sehr irisch und natürlich wieder sehr schön übersetzt von Harry Rowohlt.

Belletristik

Stefano Benni, Brot und Unwetter

Ü: Mirjam Bitter, Wagenbach 2012, 279 Seiten

In Italien ist die Bar ein zentraler gesellschaftlicher Ort. Hier treffen sich Alt und Jung um zu trinken und zu essen, um Fußballergebnisse und andere Ereignisse von ähnlich großer Wichtigkeit zu diskutieren. Doch es droht Gefahr: Die geliebte und vertraute „Bar Sport“ soll einem modernen Einkaufszentrum weichen. Zur Rettung der Bar kommt das ganze Dorf zusammen. Aber wird das nützen? In seinem neuen Roman erweist sich Stefano Benni einmal mehr als Meister der amüsanten Abschweifung. Zu den vielen skurrilen und liebenswerten Haupt- und Nebendarstellern des Romans gehört auch der Schafhirte Tore, dessen berühmter Käse so sehr stinkt, das Adler im Flug in Ohnmacht fallen und die Steinböcke am Abhang zerschellen. "Brot und Unwetter“ ist der perfekte Urlaubsroman für alle Italienreisenden.

Krimi

Fred Vargas, Die Nacht des Zorns

Ü: Waltraud Schwarze, Aufbau 2012, 454 Seiten

Kommissar Adamsberg will herausfinden, wer einer halb verhungerten Taube zum grausamen Spaß die Füße zusammen gebunden hat. Doch eine ältere Dame erbittet seine Hilfe, denn ihre Tochter hat das "Wütende Heer" gesehen und alle in ihrem Dorf wissen, was das bedeutet: vier Menschen werden sterben, denn sie sind schuldig. Niemand in Paris, nicht mal Adamsberg, nimmt die mittelalterliche Legende aus der Normandie ernst. Doch die ungesühnte Verbrechen rächende Geisterarmee lässt nicht lange warten und es gibt den ersten Toten. Die Atmosphäre im Dorf wird bedrohlich.
In Paris wird ein einflussreicher, gewissenloser Großindustrieller ermordet. Adamsbergs Vorgesetzte drängen auf eine rasche Aufklärung und präsentieren auch gleich einen Kleinkriminellen als Täter. Der Kommissar hat allerdings mehr Interesse daran, die Person zu finden, die einen uralten Mythos benutzt, um ungestört zu morden.
Unangestrengt und lässig entfaltet sich der Charme der Geschichte – und en passant löst Adamsberg seine Fälle, selbstverständlich mit Danglards und Violette Retancourts Hilfe. Man möchte als LeserIn gurren vor Wonne, wie die gerettete Taube.

Krimi

Don Winslow, Tage der Toten

Ü: Chris Hirte, Suhrkamp 2012, 689 Seiten

Art Keller, Drogenfahnder der US-Polizei, startet nach der Ermordung eines Kollegen einen blutigen Rachefeldzug gegen die mexikanischen Drogenkartelle. Don Winslow, bekannt auch durch die aktuelle Verfilmung seines Romans „Savages“ durch Oliver Stone, hat fünf Jahre für seinen monumentalen Thriller recherchiert. Er sprach mit Polizisten, Gangstern und deren Opfern. Entstanden ist so ein faktengesättigter, politischer und höchst spannender Roman über die dunkle Seite der Geheimdienste und die brutalen Exzesse der Drogenclans in Mexiko, Kolumbien, Honduras und Kalifornien. „Tage der Toten“ – das opus magnum des Autors und zu Recht mit vielen Krimipreisen ausgezeichnet – lässt seine Leserinnen und Leser atemlos zurück. Wenn dunkle Wintertage noch dunkler werden sollen …

Belletristik

Judith Schalansky, Der Hals der Giraffe

Bildungsroman

Suhrkamp 2012, 222 Seiten

Inge Lohmark ist Biologielehrerin, sie mag keine Menschen. Sie gibt sich zynisch und kalt, spröde, streng und abweisend. Die Naturwissenschaften prägen ihr Weltbild und Charles Darwin ist ihr heilig. Das Wissen, dass alles Leben den Naturgesetzen unterworfen ist, lässt sie das zunehmend in Unordnung geratene Dasein in der ostdeutschen Provinz ertragen. Gegen die Zumutungen des Alttags setzt sie sich starrsinnig zur Wehr. Sie fühlt sich umzingelt von geistig minderbemittelten Kindern und einem inkompetenten Kollegium. Ihre Tochter hat sich in die USA abgesetzt und meldet sich fast nie. Ihr Mann betreibt in der verblühenden Landschaft eine Straußenfarm. Die Schule wird wegen sinkender Schülerzahlen beizeiten schließen müssen. Unterrichtsstoff sind ihre Maxime Evolution und Anpassung, doch ihr selbst gelingt es nicht, sich den Veränderungen anzupassen. Doch eine Schülerin weckt in ihr Sentimentalitäten, es lassen sich Risse in Inge Lohmarks harter Schale erahnen. Judith Schalanskys satirischer Bildungsroman ist nicht nur für Biologielehrerinnen ein großer Lesespaß!

Belletristik

Eugen Ruge, In Zeiten des abnehmenden Lichts

Roman einer Familie

Rowohlt 2012, 432 Seiten

Fünfzig Jahre deutscher Geschichte, von den fünfziger Jahren über die Zeit der Auflösung der DDR bis zum Anfang des neuen Jahrtausends. Wir begegnen mehreren Generationen einer Familie. Zum Beispiel Alexander, der auf den Spuren seiner Großeltern in Mexiko unterwegs ist. Die wurden in den Fünfzigern von der Partei nach Mittelamerika geschickt, um dort bei einer deutschsprachigen kommunistischen Zeitung mitzuarbeiten. Charlotte und Wilhelm, immer streng auf SED-Kurs, versuchten nach ihrer Rückkehr in die noch junge DDR, auch in ihrer Familie eine strenge Parteidisziplin durchzusetzen. Das Schicksal ihres Sohns Kurt, der nach vielen Jahren Lagerhaft aus der Sowjetunion zurückkehrt, die Schwierigkeiten mit dem Enkel Alexander, der sich in den Westen absetzt, das alles hat Ruge in seinem Roman auf wunderbare Weise verknüpft und nicht chronologisch, sondern wie ein Kaleidoskop zusammengesetzt.

Krimi

Helon Habila, Öl auf Wasser

Ü: Thomas Brückner, Wunderhorn 2012, 231 Seiten

Die Ehefrau eines führenden Mitarbeiters einer Ölgesellschaft wird entführt. Zwei Journalisten – ein junger Berufsanfänger und ein alter saufender Starreporter – wittern ihre Chance auf eine große Story und brechen auf ins Niger-Delta. Es wird eine Reise ins Herz der Finsternis, wo nur die Abgasfackeln der Ölkonzerne für Helligkeit sorgen. Rebellen kreuzen ihren Weg ebenso wie brutale Regierungstruppen und entwurzelte Dorfgemeinschaften, die sich ständig zwischen den Fronten wiederfinden und der Zerstörung ihrer Lebensgrundlagen tatenlos zusehen müssen. Wo früher Fische schwammen, schwimmt jetzt nur noch Öl auf der Wasseroberfläche. Der junge nigerianische Autor Helon Habila klagt die Umweltzerstörung seines Landes durch skrupellose Öl-Multis an und erzählt dabei auch die Geschichte einer unvollendeten Liebe.

 

Belletristik

Juli Zeh, Nullzeit

Schöffling 2012, 256 Seiten

Die Geschichte beginnt ganz harmlos mit einer Urlaubsidylle im Aussteigerparadies. Sven hat die Juristerei hinter sich gelassen und auf Lanzarote eine Tauchschule eröffnet. Jetzt hat ihn ein Paar exklusiv gebucht. Viel und einfach verdientes Geld, denkt er. Jola ist eine berühmte Soap-Schauspielerin und will in Vorbereitung zu einem Casting für eine ernst zu nehmende Rolle Tauchen lernen. Max ist um einiges älter und Schriftsteller. Bisher hat er ein erfolgreiches Buch veröffentlicht. Zwischen den beiden fliegen verbal die Messer, mit der Aussicht, bald real umgesetzt zu werden. Und Sven gerät dazwischen. Besonders gut ist die Geschichte durch die Erzählweise: Die LeserInnen erfahren abwechselnd Svens und Jolas Einschätzung der Ereignisse, erhalten aber keinen objektiven Blick auf das, was passiert. Und schließlich möchte Sven anlässlich seines Geburtstages einen ganz besonderen Tauchgang machen.

Sachbuch

Gabriele Goettle, Der Augenblick

Reisen durch den unbekannten Alltag

Kunstmann 2012, 396 Seiten

Die Journalistin Gabriele Goettle schreibt seit vielen Jahren für die taz. Ihre Reportagen zu deutschen Sitten, zu Obdachlosen oder zu Experten sind vor Jahren bereits in Buchform erschienen. In ihrer neuen Sammlung hat sie Frauen interviewt. Frauen, die unterschiedlichen und zum Teil sehr ausgefallenen Berufen nachgehen. Jedoch sind auch einige Frauen arbeitslos, wie die Tänzerin und Choreographin Marina Schubarth, die sich seit vielen Jahren um ehemalige Zwangsarbeiter aus der Ukraine und Russland kümmert. Goettle stellt uns unter anderem eine Bienenforscherin, eine Museumskonservatorin und Präparatorin sowie eine seit Jahren im Umweltschutz aktive Elbfischerin vor. Die Porträts der sechsundzwanzig Frauen sind auch deshalb so beeindruckend, weil viele der Interviewten politisch aktiv sind.

Kinder- und Jugendbuch

Alexandra Maxeiner, Alles lecker! Von Lieblingsspeisen, Ekelessen, Kuchendüften, Erbsenpupsen, Pausenbroten und anderen Köstlichkeiten

illustriert von Anke Kuhl

Klett Kinderbuch 2012, 32 Seiten

Es geht ums Essen, etwas ganz Alltägliches, aber nicht Banales. Und die Geschichte fängt bei den Pflanzenfressern, Fleischfressern und Allesfressern im Tierreich an, denn: Alle essen. Bei den Menschen schließlich hängt was und wie sie essen davon ab, wo sie wohnen: In Ecuador landen Meerschweinchen, in China Hunde, in Kambodscha sogar Vogelspinnen und in Deutschland Schweine auf dem Teller. Manche essen lieber alleine, andere in Gemeinschaft; mit Messer und Gabel oder mit den Fingern; manche kochen gerne, andere nicht. Das Wunderbare an den Beschreibungen ist: Hier wird nicht bewertet, es gibt gesellschaftliche und moralische Unterschiede, aber es gibt keine richtige oder falsche Art, Nahrung zu sich zu nehmen. Es gibt Nahrungsmittelknappheit, Biosprit, Hunger und übergewichtige Menschen. Zwischen den unglaublich vielfältigen Aspekten rund ums Essen sind kleine phantasievolle Geschichten eingeflochten und die Bilder führen dabei ein witziges Eigenleben. Es macht Spaß und lässt Staunen, auch die Erwachsenen.
Ansonsten ist es für Kinder ab 5 Jahre geeignet.

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