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Aktuelle Empfehlungen

Belletristik

Ljudmila Ulitzkaja, Jakobsleiter

Ü: Ganna-Maria Braungardt, Hanser 2017, 640 Seiten

Nora lebt in den 1970er-Jahren in Moskau und hat hat gerade einen Sohn bekommen, als sie vom Tod ihrer geliebten Großmutter erfährt. Dieser hat sie viel zu verdanken, vor allem die Liebe zur Kunst und zum Theater. Nora arbeitet als Bühnenausstatterin und Kostümbildnerin. Im Nachlass ihrer Großmutter Maria findet sie Liebesbriefe, die diese von ihrem ersten Mann Jakow aus den verschiedenen Lagern und Gefängnissen während der Stalinzeit bekommen hat. Maria war eine be­gnadete Tänzerin und der intellektuelle Wissenschaftler Jakow ihre große Liebe, die letztendlich an den politischen Verhältnissen zerbrach.

Der neue Roman von Ljudmila Ulitzkaja ist eine große, autobiografisch gefärbte Familiengeschichte mit vielen Einblicken in die russische Kultur und Geschichte.

 

Belletristik

Markus Orths, Max

Hanser 2017, 576 Seiten

Markus Orths hat eine große Romanbiografie über den berühmten Künstler Max Ernst geschrieben. Max Ernst, in Brühl geboren, hat sie alle kennengelernt, die sich im Paris der 1920er- und 1930er-Jahre in der Dadaisten- und Surrealistenszene getummelt haben. Mit vielen war er eng befreundet, mit einigen hat er ständig gestritten und seine Kunst haben sie alle nachhaltig beeinflusst.

Der Roman ist nach den Frauen unterteilt, mit denen Max Ernst zusammengelebt hat: Luise Straus-Ernst, Gala, Marie-Berthe Aurenche, Leonora Carrington, Peggy Guggenheim und Dorothea Tanning. Diese Frauen spielen alle mehr als nur Nebenrollen in dem Roman. Über ein rebellisches Künstlerleben und ebensolche Kunst wird erzählt, aber auch über die zerstörerische Zeit der Nazibesatzung in Frankreich und das Exil. Das immerwährende Ringen um das Neue in der Kunst hat den großen Künstler sein ganzes Leben angetrieben.

Belletristik

Mariana Leky, Was man von hier aus sehen kann

DuMont 2017, 320 Seiten

Wissen Sie, was ein Okapi ist? Dieses seltene Tier erscheint der alten Selma immer dann im Traum, wenn jemand im Dorf sterben wird. Ihre Enkelin, die Ich-Erzählerin Luise, verbringt viel Zeit bei Selma, weil ihre Eltern mit sich selbst und ihrer zerrütteten Ehe beschäftigt sind. Der Schauplatz des Ro­mans, ein kleines Dorf im Westerwald, ist bevölkert von mehr als einem eigentümlichen Charakter: der abergläubischen Elsbeth, der ewig schlecht gelaunten Marlies, dem Optiker, der ständig bei Selma auftaucht – er ist heimlich in die alte Dame verliebt – und dem jungen buddhistischen Mönch, in den sich Luise verliebt, der aber unbedingt wieder nach Japan in sein Kloster will. Mariana Leky nimmt uns mit ihrer wunderbaren Sprache in diesem unterhalt­samen Roman um Freundschaft, Liebe, den Tod und das Leben auf dem Land, das einige Über­raschungen bereithält, gefangen.

Belletristik

Ayelet Gundar-Goshen, Lügnerin

Ü: Helene Seidler, Kein & Aber 2017, 336 Seiten

Nuphar ist siebzehn und unauffällig. Während andere sich amüsieren, jobbt sie in einer Eisdiele. Man schließt das einsame Mädchen ins Herz, möchte, dass sie Freundinnen findet und sich verliebt. Als ein schlecht gelaunter Ex-Schlagerstar statt einfach sein Eis zu bezahlen, sie wüst beleidigt, rennt sie weinend in den Hinterhof. Der Fiesling folgt ihr, sie schreit und das ruft mehrere Menschen herbei. Für die scheint die Situation eindeutig: Das Mädchen wurde sexuell belästigt. Nuphar widerspricht nicht und die Lüge ist in der Welt und hat für sie sehr positive Auswirkungen. Sie erhält Aufmerksamkeit, alle bewundern ihren Mut. Als Lesende freuen wir uns für sie, denn Freundschaften und Liebe erfüllen sich. Andererseits wollen wir, dass sie die Wahrheit sagt. Aber letztendlich lügen ja alle Menschen, mehr oder weniger folgenreich. Wir selbst doch auch.