Lesefutter – unsere Buchempfehlungen • Buchladen Osterstraße - lesen fängt links an • Hamburg • Eimsbüttel

Lesefutter

Krimi

Declan Burke, The Big O

Ü: Robert Brack, Nautilus 2016, 317 Seiten

Ray und Karen arbeiten in ähnlichen Gewerben: Ray führt Auftragsentführungen durch, Karen bevorzugt den bewaffneten Raubüberfall mit nicht geladener Pistole. Rossi, Ex-Knacki und Möchtegern-Mafioso, klaut einen gebrauchten Anzug bei Oxfam und klemmt sich den Pimmel im Reißverschluss ein. Frank will seine Frau entführen lassen, doch Franks Anwalt bekommt einen Golfball an den Schädel und seine Frau Magde fährt auf Kreuzfahrt statt auf Entführung. Ein Wolfshund namens Stalin spielt ebenfalls mit. Klingt durchgedreht? Ist es auch!
Der Ire Declan Burke hat ein neues Genre erfunden: den Screwball Noir. Es darf Tränen gelacht werden.

Krimi

Robert Brack, Die Toten von St. Pauli

Ullstein Tb 2016, 441 Seiten

St. Pauli 1920: Der Kriminaloberwachtmeister Alfred Weber soll eine Kindsmörderin aufspüren. Aber ist die aus einem Magdeburger Irrenhaus entflohene Greta Wehmann wirklich die Täterin? Eine Kinderleiche nach der anderen taucht auf und Alfred Weber gerät mächtig unter Druck. Seine Vorgesetzten wollen Ergebnisse sehen, damit sie den Fall schnell zu den Akten legen können. Zwischen Huren, Hafenarbeitern und Seeleuten ermittelt Weber in den engen Gassen des Hamburger Rotlichtviertels, beharrlich auf der Suche nach dem wahren Täter, denn er glaubt trotz aller Indizien fest an Gretas Unschuld.
Der Hamburger Autor Robert Brack beschreibt mit großer historischer Detailkenntnis das St. Pauli der frühen Weimarer Republik, das geprägt war von Armut, miesen Wohnverhältnissen, aber auch von Klassenbewusstsein und Solidarität.
Historisch, spannend, gut!

Krimi

James Lee Burke, Mississippi Jam

Ü: Jürgen Bürger, Pendragon 2016, 588 Seiten

Dave Robicheaux soll für Hippo Bimstine, einen zwielichtigen Unternehmer aus der Unterhaltungsindustrie, ein Nazi-U-Boot vor der Mündung des Mississippi bergen. Aber auch andere haben Interesse an diesem U-Boot. Irische Gangster, ein Killer mit Neonazi-Kontakten und korrupte Bullen machen Dave Robicheaux das Leben in New Orleans schwer und seine ganze Familie gerät in Gefahr.
James Lee Burke liefert wieder eine actiongeladene Story und thematisiert nebenbei Rassismus und Frauenfeindlichkeit bei der Polizei. „Mississippi Jam“ ist hochspannend, leicht blutig und endet mit einem furiosen Finale auf hoher See. Langeweile ist ausgeschlossen.

Krimi

Dominique Manotti, Schwarzes Gold

Ü: Iris Konopik, Argument 2016, 379 Seiten

Marseille 1973: Die „French Connection“ ist gerade zerschlagen, die Ölkrise steht kurz bevor und der junge Commissaire Théo Daquin, schwul und aus Paris stammend, steht vor seinem ersten Fall. Ein Reeder ist vor einem Casino in Nizza hingerichtet worden.
Daquin bleiben nur 15 Tage, um den globalen Dimensionen des Falls auf die Spur zu kommen: Steuerparadiese, Tarnfirmen, Rohstoffspekula-tionen, diskrete Schweizer Bankhäuser.
Manotti dreht wieder am ganz großen Rad. „Schwarzes Gold“ ist präzise recherchiert, stilistisch brillant geschrieben und kongenial übersetzt. Der Kriminalroman zeigt sich hier als große politische Aufklärungsliteratur.

Krimi

Ken Bruen, Kaliber

Ü: Karen Witthuhn, Polar 2015, 183 Seiten

Ein Serienkiller geht um in Südost-London. Das Tatmuster? Er tötet Menschen mit schlechten Manieren. Sein Vorbild? Lou Ford aus Jim Thompsons Noir-Klassiker „The Murder inside me“. Doch der Killer hat nicht mit Inspector Tom Brant gerechnet, der Gesetze genauso gerne bricht wie Unterarme. In Brants Polizeirevier tummeln sich psychisch und physisch Versehrte in Uniform. Die Grenzen zwischen Gut und Böse verschwimmen zusehends. Ken Bruen würzt seinen komprimierten Text mit Witz und Krimitipps. Das ist ganz großes Kaliber!

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