Lesefutter – unsere Buchempfehlungen • Buchladen Osterstraße - lesen fängt links an • Hamburg • Eimsbüttel

Lesefutter

Geschenkbuch

Wilfrid Lupano/Grégory Panaccione, Ein Ozean der Liebe

Splitter 2016, 224 Seiten

Ein bretonischer Fischer, der keine Ölsardinien mag. Des Fischers Frau, resolut und häkelnd. Ein tanzender Fidel Castro. Eine treue Möwe, ein Schiff, das Altöl im Meer verklappt, moderne Piraten und viel viel Meer. Das sind die Zutaten zur wohl charmantesten Graphic Novel seit langer Zeit.
Der Franzose Wilfrid Lupano hat das Szenario entworfen, der Zeichner Grégory Panaccione die Geschichte in farbige Bilder übersetzt. Das Ganze kommt aus ohne Text, Lautwörter und Delfine. Herausgekommen ist ein Plädoyer für die Liebe und das Meer. Unbedingt lesenswert (falls ich das so sagen darf)!

Geschenkbuch

Birgit Weyhe, Madgermanes

Avant 2016, 238 Seiten

Etwa 20 000 Menschen wurden Ende der 1970er-Jahre von der Volksrepublik Mosambik als Arbeitskräfte in die DDR ent-sandt. Bis heute warten sie auf den Großteil ihrer damals erarbeiteten Löhne. "Madgermanes" nennen sich diese ehemali-gen Vertragsarbeiterinnen und -arbeiter heute. Die in Hamburg lebende Comic-Zeichnerin Birgit Weyhe schildert anhand von drei fiktiven Protagonistinnen und Protagonisten die Träume, Illusionen und Enttäuschungen der Menschen, die in der Hoffnung auf eine qualifizierte Ausbildung in den "sozialistischen Bruderstaat" gingen.
Zahllose Gespräche und ausgiebige Recherchen bilden die Grundlage für die mit viel Empathie erzählte und gezeichnete Graphic Novel, die das aktuelle Thema Heimatlosigkeit anschaulich behandelt.

Geschenkbuch

Wilfrid Lupano/Paul Cauuet, Die alten Knacker

Die übrig bleiben

Ü: Tanja Krämling, Splitter 2015, 64 Seiten

Auf der Beerdigung von Antoines Frau Lucette treffen sich die drei alten Freunde Antoine, Pierrot und Mimile wieder. Zwar schmerzen ihnen die alten Knochen, doch brennt in ihnen noch das Feuer der Widerständigkeit. Begleitet von der hochschwangeren Enkelin Sophie brechen die drei Geronto-Musketiere in die Toskana auf, um Monsieur Armand, den alten Klassenfeind und Nebenbuhler Antoines mit Waffengewalt zur Rede zu stellen. Große Weisheiten zum Generationenkonflikt, zu Alter und Vergänglichkeit, gepaart mit farbenfrohen und Zeichnungen, machen diese Graphic Novel zu einem großen Vergnügen. Als Bonbon gibt es für alle sehschwachen Boulefreunde noch folgenden Trost: „Boule ist die Projektion des Gedankens. Man braucht nicht zu sehen.“

Geschenkbuch

Karen Duve, Grrrimm

Galiani 2012, 152 Seiten

Karen Duve hat Märchen geschrieben vielmehr hat sie die von den Brüdern Grimm gelieferten Vorlagen uminterpretiert. Rotkäppchen, Schneewittchen, Froschkönig und Dornröschen und all die anderen bieten sich für Erwachsene ja irgendwie an, damit herumzualbern. Aber genau das macht Karen Duve nicht. Respektvoll hat sie die Figuren ein bisschen restauriert, um- und weitergedacht und ihnen mit bissigem und knochentrockenem Humor neues Leben eingehaucht. Dabei geht es durchaus auch richtig böse und morbide zur Sache, aber auch menschlich. Und manchmal nutzt heutige Küchenpsychologie, um die Probleme von sieben zu kurz gekommenen Männern zu verstehen, wenn eine attraktive junge Frau ihre Wohngemeinschaft aufmischt.
Diese Märchen sind bestimmt nichts für Kinder, für Erwachsene allerdings unbedingt lesenswert.

Geschenkbuch

Thomas Henning, Schanze, 1980

Junius 2011, 94 Seiten

Das Fotobuch von Thomas Henning „Schanze, 1980“ ist eine Zeitreise im Querformat. Das „Gentrifidingsbums“ hatte das Hamburger Schanzenviertel noch nicht erfaßt, die Autos standen farbenfroh auf Kopfsteinpflasterstraßen herum und die Schlaghose wurde mit dem gleichen Stolz getragen wie der Oberlippenbart. Auch das Wort Galão dürfte vielen noch unbekannt gewesen sein. Hennings Farbbilder zeigen nicht nur bröckelnde Fassaden und graue Hinterhöfe. Auch die deutschen und ausländischen Bewohner des Quartiers blicken in das Kameraobjektiv oder huschen daran vorbei. Kohlenhändler, Autowerkstätten, Schlachter und Eckkneipen fanden damals noch ihren Platz im heutigen Szeneviertel. Dass seit den Aufnahmen doch ein paar Jahre ins Land gegangen sind, merkt man nicht zuletzt an den Parolen an den Häuserwänden („Tötet Strauss!“). Manches erledigt sich mit der Zeit halt von selbst.

<< vorherige
| 1 | 2 | 3 | 4 nächste >>