Lesefutter – unsere Buchempfehlungen • Buchladen Osterstraße - lesen fängt links an • Hamburg • Eimsbüttel

Lesefutter

Biografien

Andreas Kollender, Kolbe

Pendragon 2015, 446 Seiten

„Kolbe“ ist die Romanbiografie über einen widerständigen Beamten im Auswärtigen Amt während der NS-Zeit. Fritz Kolbe fuhr regelmäßig von Berlin in die Schweiz, wo er dem späteren CIA-Chef Allen Dulles geheime Dokumente über Waffenproduktion, Aufmarschgebiete und andere kriegswichtige Informationen zuspielte. Begleitet von Skrupeln und Ängsten kehrte Kolbe, aus Liebe zu der Berliner Krankenschwester Marlene, trotzdem immer wieder in die zunehmend zerbombte Reichshauptstadt zurück.
Nach dem Krieg erzählte Kolbe zwei Schweizer Journalisten seine Lebensgeschichte. Andreas Kollender erzählt diese Geschichte als spannendes Zeitgeschichtsdrama. Vor elf Jahren wurde im heutigen Auswärtigen Amt ein Saal nach Fritz Kolbe benannt. Es ist die späte Würdigung eines stillen Helden während der Nazidiktatur.

Biografien

Susanne Kippenberger, Das rote Schaf der Familie

Jessica Mitford und ihre Schwestern

Hanser 2014, 595 Seiten


In England ist sie seit den 1930er-Jahren berühmt und berüchtigt, bei uns prägt sie das Bild der britischen Exzentriker: die Familie Mitford. Vor allem um die sechs Töchter der Mitfords ranken sich die Skandalgeschichten. In den Mittelpunkt ihrer Biografie stellt Susanne Kippenberger Jessica Mitford, die zur glühenden Sozialistin und zum roten Schaf der Familie wurde, während zwei ihrer Schwestern ein Faible für Hitler und Goebbels entwickelten und zu deren Lieblings-Britgirls mutierten. Nancy, die Älteste, wurde eine berühmte Romanautorin, rechten und linken
Parolen gleichermaßen abgeneigt. Jessica war und blieb konsequent eine Linke, brannte mit ihrem Geliebten durch – in den Spanischen Bürgerkrieg, jobbte als Trickbetrügerin, Seidenstrumpfvertreterin und wurde eine angriffslustige Journalistin, die in ihren Texten nicht mit Sarkasmus sparte. Bis zu ihrem Tod 1996 blieb sie eine engagierte, linke Bürgerrechtlerin.
Das Buch ist mit einem feinen Gespür für soziale Spannungen geschrieben; sehr amüsant und ohne Verklärung beschreibt die Biografin die unkonventionellen Leben der so unterschiedlichen Schwestern.

Biografien

Erich Mühsam, Tagebücher, Band 1, 1910–1911

hg. von Chris Hirte und Conrad Piens

Verbrecher Verlag 2011, 352 Seiten

„Ich sehe schon meine Nekrologe: tausend ‚Bohème’-Anekdoten, Anarchist in Anführungszeichen und ‚im übrigen nicht talentlos’,“ notierte Erich Mühsam schon 1910 in sein Tagebuch. Mühsam, 1878 als Apothekersohn in Lübeck geboren und 1934 von den Nazis im KZ Oranienburg ermordet, hielt von 1910 bis 1924 seine Erlebnisse und Gedanken in Tagebüchern fest. Else Lasker-Schüler und Heinrich Mann, Landauer, Feuchtwanger und Werfel, sie alle kreuzten seinen Weg und machen die Tagebücher zu einer kulturhistorischen Fundgrube. Leben und Werk sind bei Mühsam miteinander verschmolzen. Die undogmatische Freiheitsliebe, Erotik und ständige Geldknappheit sind Mühsams große Themen. Die Tagebücher sind die perfekte Einladung, den großen deutschen Freigeist neu oder wieder zu entdecken.

Das Editionsprojekt des Jahres! Dem Verbrecher Verlag sei gedankt. Und 14 weitere Bände werden folgen?…

Biografien

Golo, B. Traven

Porträt eines berühmten Unbekannten

Ü: Kai Wilksen, avant-verlag 2011, 140 Seiten

Er schrieb weltberühmte Romane wie „Das Totenschiff“ und „Der Schatz der Sierra Madre“. Seine Bücher wurden in viele Sprachen übersetzt und von Hollywood verfilmt. Doch wer war der Mann, der sich hinter dem Pseudonym B. Traven verbarg? Der französische Zeichner Golo hat sich mit seiner Graphic Novel auf die Spur des berühmten Unbekannten begeben. In farbenfrohen Bildern zeichnet er den Lebensweg eines Autors nach, der von der Münchner Räterepublik 1919 über London bis nach Mexiko in den Lacandonen-Urwald führt. Dort, in einer selbst gebauten Hütte, schrieb B. Traven die meisten seiner Romane, die immer sein großes Lebensthema umkreisen: den Kampf der ausgebeuteten Schichten für Gerechtigkeit, Freiheit und Glück. Eine Literaturgeschichte des 20. Jahrhunderts in Bildern. Unbedingt sehenswert!

Biografien

Emma Goldman, Gelebtes Leben

Ü: Marlen Breitinger, Renate Orywa u. Sabine Vetter, Edition Nautilus 2010, 928 Seiten

Zum 70. Todestag, überarbeitet, ergänzt und in schöner neuer Ausstattung, ist jetzt die Autobiographie der Anarchistin Emma Goldman, einer der wichtigen Persönlichkeiten des Anarchismus, erschienen. Emma Goldman kämpfte für Geburtenkontrolle, gegen Kriegshetze und die Unterdrückung und Ausbeutung der Arbeiter. Als im Juni 1936 in der Spanische Bürgerkrieg begann und die überwiegend anarchistisch geprägte Arbeiterbewegung Spaniens die Soziale Revolution in Angriff nahm, engagierte sich die 67-jährige Goldman noch einmal mit aller Energie für diese Revolution, auf die sie ihr Leben lang hingearbeitet hatte. Ihre kritische Haltung zur Entwicklung der nachrevolutionären Sowjetunion und ihre Beteiligung an der spanischen Revolution 1936 sind genau so spannend zu lesen, wie die sehr persönlichen Erinnerungen an ihre Liebhaber und die politischen Weggenossen.

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